1. Gedicht:

An der Weichsel                                Für Marta Popek                                       

Da saßen w i r also wieder
und schauten auf die Altstadt.
Edward Stachura hat uns erneut
in seinen Bann gezogen,
dazwischen die Kompositionen von Witkacy
und die Neuigkeiten von Jerzyna.

Wir wollen im ganz großen Theater
unser eigenes Stück schreiben.
Du bevorzugst die Maskerade der Kunst;
im Bild, Text und Textbild
siehst Du die ,perfekte' Form,
ich dagegen mag die melodische Gedankenwelt,
die sich meistens in Worte fassen lässt.

Noch landen wir bei Stachura, der in der Nähe wohnte,
aber bald werden wir unsere Photos zusammentragen
und sie in einem gemeinsamen Album vorstellen.

Die Weichsel wird durch das Album fließen.
Am Ufer wird nicht nur die Stadtkulisse zu sehen sein,
sondern auch die roten Mohnblumen und die grauen Strudel,
deren Glanz sich in unseren Augen immer wieder spiegelt.

(c) Agnieszka Rzadca


2. Die dt.-pl. Anthologie "Mloda poezja niemiecka- Die moderne deutsche Lyrik": 


 

Das Buch kann man beim Verlag ANAGRAM (www.anagram.com.pl), in polnischen Buchhandlungen und bei mir kaufen (E-Mail: agnieszka2812@gmx.de).


ISBN 978-83-60981-04-07

(c) Agnieszka Rzadca

Ein Gedicht aus dem dt.-pl. Band (RTF-Datei)
: 



       
           
Ein Artikel über die Anthologie:




3.



4. 
Poetryletter Nr. 20:

Der Poetryletter Nr. 20  von Julietta Fix,
die eine Collage mit meinem Gedicht "Im Zirkus Kuss" 
und Oliver Tiemanns passende Grafik erstellte:

 


Im Zirkus "Kuss"

kann man sehen
wie der Clown
den Begrüßungskuss
und den Abschiedskuss
gleichzeitig ins Publikum
stumm
pustet.

Das Publikum
ist in Hochstimmung.

Der Clown
ist aber down,
weil ihn
nach dem Pusten
ein Husten
im Wagen überfällt.

Dort ist nichts gestellt.

Das Abschminken
vor dem Spiegel
gleicht dem Versinken
und droht dem Ertrinken
beim Trinken.

(c) Agnieszka Rzadca


5.


6.


 7. Gedichte:
 

        SIEDLUNG


       Hier leben sie nun
       die Menschen
       in einem Bau
       aus Glas und Stein

       Jeder für sich
       als Familie
       oder allein

       Viele Nationalitäten
       im grauen Block gesteckt
       wie eine Bombe
       sie ist noch nicht entdeckt

      © Detlef Dehnert

                        Du

             Als Mensch geboren
             unschuldig und rein
           in die Jahre gekommen
                 war dein Leben
                 nur ein Schein
                     statt sein
            Nahmst den Menschen
                   die Gefühle
             gingst über Leichen
                jetzt bist du alt
              einsam und allein
                 und fragst dich
                   musstest du
           in deinem Leben so sein

                © Detlef Dehnert


8.  
       Übersetzte Gedichte von Zbigniew J

       
       

 
  
       


9. Gedicht:

 

© Agnieszka Rzadca 


10.
 

Die Oberfläche                       


 


ist nicht mein Terrain.

 

Tauchgänge ohne Limes,

künstliche Philosophien 

und Hybris sind es eher.

  

Ich lerne von Großen,

die stets den Verstand

und das Herz benutzen.


© Agnieszka Rządca

 

11.  


Restbestände 

 

die gibt es immer noch,

sogar nach dem Staubsaugen.

 

Ich werde sie auch nicht wegmachen.

 

Erzwungene Unterschriften sind nicht für die Ewigkeit.


© Agnieszka Rządca  


12.

Schwere Schultern                       

                                                                          Für Evelyn Goßmann

Ich weiß, wie schwer Deine unsichtbaren Flügel sind,
die Du täglich in die U-Bahn mitnimmst.
Ich weiß, dass Du Menschen tief in die Augen schaust.

Packe Deine Hoffnung aber nicht aus,
weil einige Menschen nicht wissen,
was auf dem Tablett am Boden liegt.

Die Flügel sollen doch nicht brechen.

© Agnieszka Rządca


13.


Re: Egomanie

 

Sie endet nicht im Paradies,

auch wenn der Egoman

uns eines Besseren belehrt.

 

Sein Korrektiv braucht keiner.

Das Prisma zu langweilig,

wir sind nicht so naiv.

 

Hier und da etwas Leid,

verwische ich nicht.

Die und jene Kategorie,

erlaube ich nicht.

 

Ich wache und schaffe.

Das Projekt: Mensch.

realisiere ich.


 © Agnieszka Rządca 


14.

Schwingungen

 

Fange jede Nuance ein,

gehe vor dem Gewitter ins Haus.

Am Fenster das Prasseln des Regens.

Im Herzen leise Regenbogenklänge.

In der Hand Lebenskompositionen.

Ein Buch schöner als das andere,

sie schreiben sich von selbst.

Und keine verlorene Seele

wird eine Kerze lange drunter halten,

weil das Metronom dann schneller wird.

Plötzlich wird es strömen

und danach schimmert schon die Sonne.

 

© Agnieszka Rządca 



15.




16.
 

Schatten & Sonne

 

Jahre vergehen,

man läuft nebeneinander

durch Gassen,

Straßen und Alleen.

Alles ganz normal

und doch ist es nicht das Miteinander.


© Agnieszka Rządca 



 

17.

     

 

       Träumerei

 

Schweigend sitze ich

 

auf einer Bank

 

in den Gärten der Welten

 

Mit Gedanken die mich umkreisen

 

gehe ich innerlich auf Reisen

 

Ich höre den Wind

 

durch den japanischen Ahorn ziehen

  

durch die Lüfte schweben Vögel

  

spielend und elegant

 

die Sonne blinzelt mir ins Gesicht  

 

mit der Natur im Einklang

 

kümmere ich mich um nichts

 

lasse alle meine Lasten

  

von den Schultern fallen

 

hier finde ich meine Ruh'

 

jenseits vom Alltagsstress

  

nach Minuten zurückgekehrt aus meiner Träumerei

 

sagte ich leis' zu mir Schön war's, schade es ist vorbei

 

              © Detlef Dehnert

 

18.

 

                 Abstellfläche

 

Immer wenn das nächste Päckchen kommt,

 

versucht ihr es bei mir abzustellen,

  

doch glaube ich,

 

dass ihr falschen Spuren folgt.

 

 

Der Wind verwehte fast alles,

 

nur diese Päckchen  . . . ,

  

vielleicht sind sie zu schwer. 

 

© Agnieszka Rządca  

 

19.

 Junge Kraniche

Für Hans Claßen

sehen über den Feldern und Wäldern ein Umkehren.
Die Großen haben es gesagt.
Alles braucht seine Zeit.
Das Bleiben, das Fliegen und das „sich Erheben“ in die Höhe.
Dort oben berührt ein Kosmos den anderen mit dem Finger.
Singt Lieder, schweigt und zeigt auf ohne störende Frequenzen,
denn die Alten breiten ihre Flügel über den Jungen aus
und ziehen mit ihnen selbst bei Gewitter an Hindernissen vorbei,
damit jene einen Blick werfen können auf die Blütezeit
.

© Agnieszka Rządca 

 20.


21.


Glaube mir
************

zerbreche nie die Herzen

deiner Kinder

denn sie sind die Zukunft

deines Landes

mit zerbrochenen Herzen

werden sie von dir gehen

und du wirst sie wahrscheinlich

nie mehr wiedersehen

                             ©  Detlef Dehnert


22.

 

     


23.

In der Hütte                                                                     

wärmen sie sich die kleinen Finger.

Oft schauen sie in die Flamme
und beobachten den Schneestaub hinter dem Fenster.

Nur die leuchtenden Sterne sehen noch schöner aus.

Doch schon hinter dem Schlitten sind wieder diese Leute,
die häufig neue Pelze und Körbe voller Essen tragen.
Sie schimpfen viel auf der Straße.
Sie mögen es, andere zu kontrollieren und zu ermahnen.
Sie sehen bloß die Kinder nicht ...
Zwei Tüten voller Obst und Gemüse trägt täglich ein Mädchen ins Haus
und einige aufgeregte Kinderstimmen hört man beim Öffnen der Tür.

Sieht man sie und hört man sie tatsächlich nicht ?

Ich sehe und höre sie ganz deutlich.
In den letzten Monaten sehen sie sehr glücklich aus.
Sie haben es geschafft !
Diese Menschen von der Straße sollen ihren Garten nicht mehr betreten,
weil sie es schon gelernt haben, wie man rote Rosen mit dunklen Dornen pflegt,
und weil diese Leute bis heute noch überlegen,
ob es rhetorische Fragen waren.

©  Agnieszka Rządca


24.

Ein Garten unter blaugelben Wolken

Mir entgleitet der Sinn für ein Gespräch mit dir,
das Herz blüht nicht auf,
weil du nur die eine Seite der Knospe betrachtest.
Sinnlos  ist  es,
einen  Rosengarten zu sehen,
wenn neben den dunkelroten Rosen
weiße Lilien und zarte Mohnblumen
auf einer Wiese vor meinem Haus gedeihen.
Ganz leise zieht der Wind vorbei an den Grashalmen,
doch deine Ohren nehmen nur ferne Glocken einer guten Partie wahr.
Nur ein Echo wird bleiben und die goldenen Funken deiner naiven Augen im Garten.
Mit dem Verblassen dieser Erinnerung wird eine neue Harmonie von Yin und Yang aufleben.

 
©   Agnieszka Rządca


25.

Arbeit am Text:
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Zwanghafte Kopfgeburten:

Das schwache Geschlecht und so.

So viele Rollen,
Mann sind wir gespalten.

Im Spiegel sehe ich schon vier.
Auch noch narzisstisch ?
Eine mit ruhiger Vernunft,
dann die mit den roten Lippen,
neben der mit dem offenen Herzen,
und die teuflische Hexe da, die den Mund öffnet.
Manie könnte noch in Frage kommen, wenn wir es genau nehmen.

Von allem etwas in einer Person ?
Das geht ja nicht, n e i n !
Nur ein Mensch ?
Wie langweilig, ein Mensch.
Unanständig.
Da geht doch was ?
Mein Hund ?
Nein, noch nicht.
Schizophrenie ist doch angesagt,
manche wissen es bloß nicht,
da muss Freud noch etwas dran arbeiten,
so geht das nicht, die Fälle müssen auf den Tisch.

Von was sollen alle leben ?
Na dann, viel Spaß noch.

Ich aber habe zu tun:
Mein Hund wartet !

Und wenn ich da nicht gleich hinkomme,
dann bekomme ich wieder meine Neurosen oder Depressionen.
In der S-Bahn ? Egal wo, den Alkohol riecht man ohnehin von weitem.

Der Brandgeruch der Hirngespinste breitet sich aus,
ihn riechen jetzt nicht nur die Hunde.

Das laute Bellen auch eine Zumutung.

Kein Wunder, dass die Sinne durchbrennen
und das ironische Spiel in den Akten als Anomalie auftritt, so ist's einfacher.

Die S-Bahntüren werden schnell geschlossen bei Brandgefahr. Der Vorhang fällt.


Am äußersten Bühnenrand läuft Ein Mensch entlang.
Geht vor bis zur Mitte und bleibt stehen.
Wendet sich zu uns und lächelt, was ? 
Er spricht ja:

,,Dem einen Fahrgast da ist ein Mensch aus der Hand gefallen. An- und Abwesenheit.
Die ältere Frau beobachtete sich schon lange im Fenster,
versuchte sich eben zu erinnern, wo sie denn wohnen könnte.
Der junge Mann setzte sich mit roten Wangen auf den Behindertenplatz
und wiederholte einige Sätze und Schlüsselbegriffe, gleich musste alles sitzen,
dabei starrte er die junge Frau an, die sich die Lippen pflegte nach einem langen Tag.''

In anderen Blicken waren jedoch wieder diese erzwungenen Kopfgeburten,
ein Einstieg in die tiefer gelegte Bahn zu gefährlich.
Das Programm unbekannt.
Man fährt zweidimensional.

Am Ende zieht der Typ sein Handy raus und sagt: ,,Chef, den Film habe ich !''
 
 
Verwendete Quellen: * Kopfgeburten oder Die Deutschen sterben aus von Günter Grass
                                    * Dokumentationen meines Vaters 

                                                                                                                  A. R.
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26.


tarde ad sacramentum

 

Suche nicht die Leiter,

denn der beste Akrobat kommt nicht hoch genug.

 

Suche nicht Konservierungsstoffe,

denn die Energie verlässt auch die Mumie.

 

Nehme nicht mehr, als ein Mensch tragen kann,

weil sonst nur verwehter Aschenstaub übrig bleibt.

 

Erhebe Dich.


©   Agnieszka Rządca

 

 

27.

 

Vogelrausch

 

Ohren können nicht mehr,

wohin bloß mit den Augen ?

Eine Waschmaschine im Schleudergang

ist der Mund,

die Worte werden gedreht

bis sie passen.

Muss raus mit den Fahrzeugen auf die Straße.

Der Frosch wird noch am Teich zermalmt,

nur der Vogelschwarm hat ihn gesehen.

 

© Agnieszka Rządca

 

28.

 

Homogener Wandel

 

Plötzlich war es wieder da,

Worte und Sterne klemmten

in der Seitentasche.

 

Der Straßenlärm übertönt die Geigen

und die Sirenen sind eingefroren.

 

Das Eis rutschte hinter jedes Dekolleté,

alle Fasern wurden gesprengt

und die Masse zerlief.

 

Gleichklang bändigte die Stadt. 



© Agnieszka Rządca


29.

 

Sprünge

 

In der Haustür ein Klingelton

Vor dem Bus die Planänderung

Nach der Sitzung die Konzertvorbereitungen

Am Abend der Copy Shop

Nachts die E-Mails

Morgens der Kaffee

Mittags englisches Team Play

Am Nachmittag polnische Lektüre

Abends vor der Bühne das internationale Rauschen

Hinter den Kulissen die aufgeregten Künstler

In meinem Blickfeld unkoordinierte strömende Massen

Letzter Augenkontakt mit Kollegen und ein Lächeln

Erste Fragen, ein Funkloch, Entscheidungen, voller Saal, Verdunkelung
Die Musik ! Passt schon, nahtfreier Übergang

Nach dem Konzert Abschiedsworte, Gratulationen und der müde Heimweg

An der Haustür das Telefon lautlos, der Hund und ein schwarz-weißer Sternenhimmel

     

© Agnieszka Rządca 


   

 

30.

 

Emanation von Amitabha  

 

Als der Vogel sich nicht mehr erheben konnte,

 

lief er in Sträucher,

 

noch konnte er gut laufen,

 

aber bald ging selbst das nicht mehr,

 

so setzte er sich wie ein Buddha auf die Wiese

 

und alles wurde klar. 

 

© Agnieszka Rządca

 

 

 

 

  31.                        

             

                                            Schutzfilm

 

                           Als du den Glauben in sie verloren hast,

           war sie schon länger darauf vorbereitet und in guter Form,

                         als du ihre Stimme nicht mehr vernahmst,

                     interessierten sich andere noch stärker für sie,

          als du bereits sicher warst, ihr Leben entschlüsselt zu haben,

schaute sie mit der anderen verfangenen Lebenshälfte in ihren Wimpern weg.

     Ein Mensch, der wenig spricht, schützt Abel und sich selbst vor Kain.

 

 

                                        © Agnieszka Rządca  

 

 

   32.

 

   Weichselgesichter brauchen Konturen

 

   Wenn ein Archäologe mir sagen könnte,

          dass er eine Spur gefunden hat.

       Einen Abdruck über das Foto hinaus.

         Eine Lebenslinie, die nicht abbricht.

Dann bräuchte man nicht Landkarten studieren,

           nur um weitersuchen zu können,

          ohne Ruhe und aus Gewohnheit.

 

                  ©     Agnieszka Rządca

 

 

33.  

 

 

Spiegelung einer Szene

  

 

Er sieht die Stimme nicht,

und hört die Tränen nicht.

Der Untergang der Tiefenebene

entrinnt am Horizont der Oberfläche,

ertrinkt im alten Staub des Bekannten.

 

 

Der stille Zuschauer beobachtet das Spektakel,  

sophokleische und euripideische Werke bewegen nicht.

Der ostentative Genuss überflutet das Verständnis der Bildmoral.

 © Agnieszka Rządca

 

34. 

Figurationen des Judas

der eine vergreift sich an seinem Volk,

der andere verrät seine Freunde  

und der letzte lässt die Nächsten im Stich.

Judas lebt im Diktator,

geht auf in Intrigen

und zeigt so lange auf andere bis er ins Visier gerät. 

© Agnieszka Rządca

 

35.

           Philo-Mathematisches Prisma

Die Wahrscheinlichkeit war irgendwann zu hoch,

um zwischen all den Bewertungen meiner Antworten

nicht an den hypothetisch falschen scheitern zu müssen.

So ging ich zu meinen Wurzeln über.

Hier ist die Wahrscheinlichkeit zu niedrig,

um dieses Wissen leichthin verbiegen zu können.

So gewinnt das Gleichgewicht die richtige numerische Abfolge,

die mich zu meinen eigenen Beschriftungen der Innenwände führt.

Der Mensch ergibt sich nicht aus der großen Anzahl der Kunstprodukte,

er ist Individuum mit eigenem Willen in einer unverwechselbaren Monade.

© Agnieszka Rządca