Sven und Sandra müssen sehen, wie Bakterien ihren Simon fressen

Wie ertragen die Eltern das Leid?

Von SIMONE WINDHOFF

Erfurt – „24 Mal haben wir uns von unserem Sohn verabschiedet. 24 Mal wussten wir nicht, ob wir ihn nach der Operation wieder in unsere Arme schließen können.“

Sandra (29) und Sven (27) Seyfarth wissen nicht mehr, woher sie die Kraft nehmen sollen, das alles durchzustehen. Sandra hat keine Tränen mehr, Sven kann sie nur mühevoll verbergen.

Heute wird ihr Junge zum 25. Mal in den OP geschoben, bekommt unter Narkose einen Verbandwechsel am linken Unterschenkel. Seine Mutter: „Ich weiß nicht, wie lange sein Herz die dauernden Narkosen mitmacht. Ich habe einfach nur Angst!“

Im Körper ihres kleinen Simon (17 Monate) wüten seit dem 19. Dezember Bakterien, die den Jungen auffressen.

Der linke Fuß musste amputiert werden, 45 Prozent seiner Haut sind betroffen, der Ellenbogen konnte gerade so gerettet werden.

Was fühlen Eltern, deren Kind fast gestorben wäre?

Deren Kind äußerlich nichts mehr mit dem blonden Wirbelwind zu tun hat, den sie noch vor zehn Wochen unbeschwert in die Arme schlossen?

Sandra: „Als die Diagnose gestellt wurde und ich mein Kind im Koma liegen sah, habe ich zuerst gar nichts empfunden. Ich war leer. Es ging alles so furchtbar schnell, Simons Haut war völlig zerstört, es hat mir das Herz zerrissen. Immer wieder sah er anders aus, ihm fehlt ein Fuß, die Haare sind weg, der Arm ist fürchterlich vernarbt. Ich kann manchmal nicht mehr, aber ich muss doch für ihn da sein!“

Als der Junge nach einer Hauttransplantation aus dem OP kam, erkannte Papa Sven sein Kind kaum noch wieder: „Wären seine braunen Knopfaugen nicht gewesen, hätte ich nicht geglaubt, dass das mein Simon ist.“

Trotz seines Leidens schafft es der kleine Junge, seine Eltern aufzubauen. Sandra: „Wenn er uns anlächelt und ruft, ist alles wieder gut, sind die Schmerzen und Sorgen einfach weg.“

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