Unterschätzte Gefahr
 
Meningokokken-Bakterien vergifteten Simons Körper
 
BRISANT | 27.03.2008 | 17:15 Uhr
 
Etwa jeder zehnte Europäer lebt ohne zu erkranken mit Menigokokken im Nasen-Rachenraum. Die Gefahr, andere Menschen mit den gefährlichen Bakterien zu infizieren, ist hoch. Vermutlich wurde auch Simon durch Niesen oder Husten infiziert. Zehn Prozent der erkrankten Kleinkindalter sterben. Simon hatte Glück, auch wenn die Krankheit deutliche Spuren hinterlassen hat.
 
Einen sicheren Schutz gibt es nicht
Kurz vor Weihnachten hatte die Krankheit bei dem eineinhalbjährigen Simon plötzlich zugeschlagen. Mitten in der Nacht hatte Simon schlagartig hohes Fieber, erinnert sich sein Vater Sven Seyfarth. Meningokokken-Bakterien vergifteten den Körper des kleinen Jungen. Gewebe und Körperteile starben ab. Noch vor wenigen Jahren überlebte kaum ein Kind den Ausbruch dieser Krankheit. Auch wenn Simon immer wieder operiert werden muss, um Haut zu verpflanzen oder um Narben-Wucherungen zu entfernen, hatte er Glück. Er hat das sogenannte Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom, eine der gefährlichsten Kinderkrankheiten, überlebt. "Beim Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom beobachtet man ein akutes Versagen beider Nebennieren innerhalb weniger Stunden", erklärt Simons behandelnder Arzt, Prof. Uwe Friedrich. Übertragen wird es durch Tröpfcheninfektion. Einen sicheren Schutz davor gibt es nicht.

Mittlerweile hat Simon das Schlimmste geschafft. Doch die Spätfolgen sind verheerend für den kleinen Jungen: die Hälfte seines Körpers ist voller Narben, seine Zehen sind abgestorben, sein Fuß musste bis zum Mittelknochen amputiert werden. Er hat Nervenschädigungen davongetragen. Die Narben hindern ihn daran, Arme und Beine zu strecken. Später muss er mit einer Fußprothese wieder Laufen lernen.
 
Schwerkrank, aber voller Lebenslust
Der eineinhalbjährige Simon hat schon mehr Leid durchgemacht als viele Erwachsene. Seine Eltern mussten mehrfach um sein Leben bangen. Simons Vater lebte mit seinem Sohn in der Klinik. Seine kleine Baufirma musste er vernachlässigen. Jeden Tag kam die Mutter zu Besuch. Aber zu Hause musste sie sich auch um den dreijährigen Leon und um Francesca, die elfjährige Tochter, kümmern. Erst vor kurzem konnte Simon die Intensivstation verlassen. Die Meningokokken-Vergiftung hat der Familie und vor allem dem Jungen schon viele Nöte und Sorgen beschert. Doch Simon wischt sie immer wieder weg - einfach mit seinem Lachen.
 
zuletzt aktualisiert: 28. März 2008 | 14:58
Quelle: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK